Fetisch-Mode und Popmusik

Bis vor wenigen Jahren waren die berühmten „drei L“ – Leder, Lack und Latex – nur in sehr begrenztem Maße außerhalb der Fetisch-Szene zu sehen. Heute dagegen sind sie beinahe straßentauglich.

Einen entscheidenden Teil dazu beigetragen hat die sicherlich große Beliebtheit von Korsetts, Lackstiefeln und engen Lederoutfits bei vielen Popmusik-Stars. Dank ihrer starken medialen Präsenz prägen sie die Modeentwicklung durchaus entscheidend mit, und manch ein erotisches Outfit, das bei Live-Auftritten auf der Bühne oder in zahlreichen Videos getragen wurde, findet wenig später den Weg in die mehr oder weniger alltägliche Straßenmode.

„LLL“, Ketten und Masken – von vielen Popstars gern getragen

Zu den bekanntesten Stars, die Fetisch- und Sadomaso-Elemente in größerem Stil verwendeten, gehört sicherlich Madonna, deren Bilder in ihren Gaultier-Corsagen weltweit zur Ikone geworden sind. Doch auch jüngere Stars haben den Trend aufgegriffen und weiterentwickelt. So haben sich Rihanna und Beyoncé beispielsweise als Dominas inszeniert. Und auch Britney Spears oder Lady Gaga waren schon des Öfteren in Lederbody, Latexkleid & Co. zu sehen.

Es muss offensichtlich nicht immer die lange Abendrobe sein: Gelegentlich genügen Lady Gaga auch Stiefel, Netzstrümpfe, Lederjacke und Halsband als Outfit für einen Auftritt außerhalb der Bühne.

Neben den entsprechenden Materialien spielen auch die entsprechenden Accessoires in der Popmusik eine wichtige Rolle. So sind viele Outfits mit mehr oder weniger deutlichem Fetisch- oder SM-Bezug erst durch ein paar Ketten, eine Maske oder ein paar Handschellen wirklich komplett. Auch Peitschen und Reitgerten tauchen in diesem Kontext häufig auf.

In der eigentlichen „Szene“ wird diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits wird es begrüßt, wenn Fetische und SM-Neigungen „normaler“ und alltäglicher werden, sodass die Betreffenden auch keine soziale Isolierung mehr befürchten müssen. Andererseits geht damit aus Sicht vieler Fetisch- und SM-Fans auch etwas verloren; man fürchtet Kommerzialisierung und Banalisierung.

Provokation oder Langweiler?

Kritik kommt regelmäßig auch von feministischer Seite und aus konservativen Kreisen – dort natürlich jeweils aus anderen Motiven. Der Einzug der Fetischmode in die Popmusik wird als Ausdruck der Sexualisierung der Gesellschaft und des Alltagslebens verstanden; zudem werden die damit verbundenen Rollenbilder kritisiert.

Doch trifft das wirklich zu? Mitunter spricht einiges dafür, dass die ursprünglich oft als Provokation gemeinten modischen Statements sich durch ihr immer häufigeres Auftreten eher selbst neutralisieren. Was überall zu sehen ist, regt am Ende niemanden mehr auf. Inwieweit es anregt, mag eine andere Frage sein.

Lust aufs Hinsehen macht die Fetischmode offensichtlich allemal – und ist damit natürlich auch gut fürs Geschäft. Erinnern Sie sich noch, wie ausgiebig in der Presse darüber spekuliert wurde, ob Katy Perry auch zur Hochzeit eines ihrer geliebten Latexkleider tragen würde?

Der Trend zu LLL und Ketten ist übrigens keineswegs nur auf den „westlichen“ Markt beschränkt. Ein Blick nach Japan macht dies ebenso deutlich wie etwa das Beispiel von Doda Elektroda, die ihre große Popularität in Polen nicht nur allein ihrer Stimme, sondern auch ihrer äußeren Erscheinung und ihren oft fetischmäßig angehauchten Outfits zu verdanken haben dürfte.